...ProgrammFestivalzentrale im KunstHausWienI Wish We Had More Time
I Wish We Had More Time
Kuratiert von:
Stephan Kuss & Veronika Hackl
von The Institute of Queer Ecology
Alle irdischen Lebensformen sind von Wandel geprägt. Natur erscheint als Gleichgewicht zwischen Wachstum und Verfall, Leben und Tod, Aufbruch und Niedergang. Vieles kehrt zyklisch wieder, anderes verschwindet unwiderruflich.
I Wish We Had More Time untersucht Verlust – eine der grundlegenden Erfahrungen des Daseins – in seinen vielschichtigen Dimensionen: ökologisch, gesellschaftlich und persönlich.
Klimatische Veränderungen bringen artenübergreifende Lebensgemeinschaften aus dem Gleichgewicht und stellen die Anpassungsfähigkeit vieler Organismen vor erhebliche Herausforderungen. Die Fragilität des Bestehenden zeigt sich in gesellschaftlichen Krisen und dem gemeinschaftlichen Umgang damit: Archive bewahren queere Geschichten und halten Kontinuitäten aufrecht. Chosen Families entwickeln neue Formen von Fürsorge und Verbundenheit. Auf persönlicher Ebene wird Verlust in Liebe und Wehmut, in Begegnungen mit der richtigen Person zur falschen Zeit, verpassten Chancen, verblassender Leidenschaft und gebrochenem Vertrauen spürbar.
Auf diese Themen reagieren 34 Positionen aus Kunst, Wissenschaft, Literatur, Musik und Performance in unmittelbaren Momentaufnahmen und vielfältigen Medien: in Zeichnungen, Drucken, Fotografien, Video- und Audioarbeiten, Objekten sowie in Texten. Sie treten miteinander in Dialog, erzeugen Resonanzen und eröffnen unerwartete Verbindungen. In ihrer Offenheit, Dringlichkeit und dynamischen Form halten sie flüchtige Zustände fest, bevor sie sich wandeln oder verloren gehen. Eine zentrale Skulptur, das Orrery of Interconnected Loss, verwebt die einzelnen Beiträge zu einer queeren Kosmologie des Verlusts.
Die Ausstellung macht Verlust als gemeinsame Erfahrung sichtbar und öffnet damit spekulative Szenarien: Was wäre, wenn, was hätte sein können und was noch sein kann. Gleich einer Zeitkapsel werden die Erzählungen, Beziehungen und Spuren in zukünftige Gegenwarten getragen und wachsen durch einen fortlaufenden Prozess des Sammelns und Bewahrens zu einem Archiv des Verlusts an.
The Institute of Queer Ecology, geleitet von Lee Pivnik und Nicolas Baird, ist ein sich stetig weiterentwickelnder, kollaborativer Organismus, der randständige, alternative Lösungen für Umweltzerstörungen ins Zentrum des öffentlichen Bewusstseins rücken will. Seine interdisziplinären Projekte basieren auf dem theoretischen Rahmen der Queer Ecology, einer anpassungsfähigen Praxis, die Verbundenheit, Intimität und artenübergreifende Beziehungen erkundet. Das Kollektiv verfolgt das Ziel, zerstörerische menschenzentrierte Hierarchien zu hinterfragen und eine gerechte, vernetzte Zukunft zu gestalten – in der menschliche und mehr-als-menschliche Lebensformen gleichberechtigt miteinander existieren.
Für das Projekt I Wish We Had More Time vergrößert sich der Organismus zu einem Netzwerk aus 34 internationalen Beitragenden aus Bildender Kunst, Wissenschaft, Literatur und Performance.
Mit Beiträgen von
Ramiro Ávila Macias, Maya Björnson, daniela brill estrada, Jevon Brown, Alice Bucknell, Christine Alice Cortes Cañon, Sasha Fishman, Ivana Franke & Oriana Walker, Andrea Grill, Anwyn Howarth, Sabrina Imbler, JASCHA&FRANZ, Andre Naranjo, Alina Perez, Aura Raulo & Topi Raulo & Lotta Taarasti, Jasmine Respess, Virginia G. Ruiz, Micah Schippa-Wildfong, Evan Silver aka Tiresias, misael soto, A.L. Steiner, Laurencia Strauss, Sun Belt, Wolfy Sunset, Fereshteh Toosi, Yuri Tuma, Untitled Queen, LuLu Victoria-Lacy, Vicens Vila-Coury, Jessica Ware, Oscar Wilson, Cy X, Haiwen Yu, agustine zegers
09.04. –
09.08.26
Öffnungszeiten:
Mo-So: 10:00 – 18:00 Uhr
Adresse
KunstHausWien
Untere Weißgerberstraße 13
1030 Wien